Was sagen prominente Wirtschaftswissenschaftler?

Die Idee, dass Subventionen ineffizient, unfair und politisch gefährlich sind, ist keine neue, keine radikale und keine rein rechte oder libertäre Position. Sie zieht sich quer durch die Wirtschaftswissenschaft der letzten 100 Jahre, vertreten von mehreren Wirtschaftsnobelpreisträgern, vom Vater der deutschen Sozialen Marktwirtschaft, von den Gründern des Ordoliberalismus, vom langjährigen Chefökonomen der Weltbank und von linksliberalen Entwicklungs- und Klimaökonomen.

Milton Friedman

1912-2006 · USA

Wirtschaftsnobelpreis 1976

Der bekannteste Vertreter des monetaristischen Liberalismus und Gründer der Chicago School. Sein Buch 'Capitalism and Freedom' (1962) ist eines der einflussreichsten wirtschaftspolitischen Werke des 20. Jahrhunderts.

Der Markt löst die meisten Probleme besser als der Staat. Wenn der Staat eingreift, dann mit einer Regel, die für alle gilt, nicht mit Sondertatbeständen. Die Negative Einkommensteuer ist sein bekanntester Vorschlag zur Ersetzung der Sozialstaats-Bürokratie.

Nothing is so permanent as a temporary government program."

Nichts ist so dauerhaft wie ein vorübergehendes Regierungsprogramm."

, Vortrag 1970er
One of the great mistakes is to judge policies and programs by their intentions rather than their results."

Einer der großen Fehler ist es, politische Maßnahmen nach ihren Absichten und nicht nach ihren Ergebnissen zu beurteilen."

, Vortrag 1975
There's no such thing as a free lunch."

So etwas wie ein kostenloses Mittagessen gibt es nicht."

, Titel seines Buches, 1975
If you put the federal government in charge of the Sahara Desert, in 5 years there'd be a shortage of sand."

Wenn man die Bundesregierung für die Sahara zuständig machte, gäbe es in 5 Jahren einen Sandmangel."

, zugeschrieben

Friedrich A. von Hayek

1899-1992 · Österreich / Deutschland / UK

Wirtschaftsnobelpreis 1974

Österreichischer Ökonom der 'Österreichischen Schule', später britischer und deutscher Staatsbürger. Sein Hauptwerk 'Der Weg zur Knechtschaft' (1944) warnt vor der schleichenden Entstehung totalitärer Strukturen durch wirtschaftliche Planung. Einflussreich für Margaret Thatcher und die deutsche Ordnungspolitik.

Der Staat kann gar nicht wissen, was am besten gefördert werden soll. Das Wissen über Bedürfnisse, Techniken und Alternativen ist in der Gesellschaft verteilt, nur der Markt kann es zusammenbringen. Subventionen sind immer 'Anmaßung von Wissen', das niemand haben kann.

The curious task of economics is to demonstrate to men how little they really know about what they imagine they can design."

Die merkwürdige Aufgabe der Ökonomie besteht darin, den Menschen zu zeigen, wie wenig sie wirklich über das wissen, was sie zu gestalten glauben."

, The Fatal Conceit, 1988
A claim for equality of material position can be met only by a government with totalitarian powers."

Ein Anspruch auf Gleichheit der materiellen Position kann nur von einer Regierung mit totalitären Vollmachten erfüllt werden."

, The Road to Serfdom, 1944
The more the state plans the more difficult planning becomes for the individual."

Je mehr der Staat plant, desto schwieriger wird Planung für den Einzelnen."

, The Road to Serfdom, 1944

Ludwig Erhard

1897-1977 · Deutschland

Bundeswirtschaftsminister 1949-1963, Bundeskanzler 1963-1966

Vater des deutschen Wirtschaftswunders und der Sozialen Marktwirtschaft. Seine Politik bestand darin, der Wirtschaft so wenig wie möglich vorzuschreiben, und dennoch ein soziales Netz zu spannen. Sein Buch 'Wohlstand für Alle' (1957) ist die liberale Grundlage der Bundesrepublik.

Der Staat muss Regeln setzen (Ordnungspolitik), aber nicht Ergebnisse vorgeben. Jede Art von staatlichem Dirigismus, auch wohlmeinender, verfälscht den Markt und begünstigt die Organisierten gegenüber den Unorganisierten.

Der beste Sozialstaat ist derjenige, der sich selbst überflüssig macht."
, Wohlstand für Alle, 1957
Wir können und dürfen nicht zulassen, dass in Staat und Wirtschaft eine Funktionärsschicht entsteht, die die Wirtschaft beherrscht."
, Rede 1956
Wohlstand ist nicht die Folge von planender Bevormundung, sondern der Ermutigung zur Selbstverantwortung."
, Wohlstand für Alle, 1957

Wilhelm Röpke

1899-1966 · Deutschland / Schweiz

Mitbegründer der Freiburger Schule / Ordoliberalismus

Deutscher Ökonom, 1933 vor den Nationalsozialisten emigriert, von der Schweiz aus einflussreich auf die deutsche Nachkriegs-Wirtschaftspolitik. Berater Erhards. Sein Werk 'Jenseits von Angebot und Nachfrage' (1958) fordert eine Marktwirtschaft, die moralisch verankert ist.

Marktwirtschaft ist der Garant persönlicher Freiheit. Aber sie braucht einen ordnungspolitischen Rahmen, klare Regeln für alle, nicht Sondervorteile für die Mächtigen. Subventionen sind genau der Missbrauch staatlicher Macht, den der Ordoliberalismus verhindern will.

Je mehr Markt, desto weniger Staat; je weniger Staat, desto mehr Freiheit."
, zugeschrieben
Der Markt ist der Garant der Freiheit, die Freiheit ist der Garant der Menschlichkeit."
, Jenseits von Angebot und Nachfrage, 1958

Walter Eucken

1891-1950 · Deutschland

Begründer der Freiburger Schule / Ordoliberalismus

Professor in Freiburg, intellektuelle Grundlage der deutschen Nachkriegs-Wirtschaftspolitik. Sein posthumes Hauptwerk 'Grundsätze der Wirtschaftspolitik' (1952) ist Klassiker der deutschen Wirtschaftstheorie. Seine Prinzipien sind bis heute in der Bundesbank-Ordnung sichtbar.

Der Staat hat die Ordnung zu setzen (konstituierende Prinzipien), aber nicht in den Wirtschaftsprozess einzugreifen. Jede Art staatlicher Lenkung produziert Vorteile für die Informierten und Organisierten, während der Normalbürger zum Verlierer wird.

Die staatliche Politik sollte darauf gerichtet sein, die Wirtschaftsordnungsformen zu gestalten, nicht den Wirtschaftsprozess zu lenken."
, Grundsätze der Wirtschaftspolitik, 1952
Das Problem der ökonomischen Macht ist ein Problem der ordnungspolitischen Einbettung."
, Grundsätze der Wirtschaftspolitik, 1952

Mancur Olson

1932-1998 · USA

John-Bates-Clark-Medaille, Professor in Maryland

Politik-Ökonom, der eine Theorie der kollektiven Handlung entwickelte. Sein Buch 'The Logic of Collective Action' (1965) erklärt, warum kleine Gruppen mit klaren Interessen in Demokratien gegen große Mehrheiten mit diffusen Interessen gewinnen. Grundlegend für die Public-Choice-Theorie.

In einer großen Gruppe (z.B. Steuerzahler) handeln rationale Individuen nicht in ihrem eigenen Interesse, weil der Einzelbeitrag zu klein ist. Kleine Gruppen mit großen Einzelinteressen (z.B. Lobbys) organisieren sich leicht und dominieren politische Prozesse.

In a large group, rational individuals will not act in the common interest."

In einer großen Gruppe handeln rationale Individuen nicht im gemeinsamen Interesse."

, The Logic of Collective Action, 1965
Concentrated benefits and diffused costs create a bias toward more government spending, more subsidies, and more privileges."

Konzentrierte Vorteile und gestreute Kosten erzeugen eine Tendenz zu mehr Staatsausgaben, mehr Subventionen und mehr Privilegien."

, The Rise and Decline of Nations, 1982

James M. Buchanan

1919-2013 · USA

Wirtschaftsnobelpreis 1986

Begründer der Public-Choice-Theorie. Analysiert politische Entscheidungsprozesse mit den Methoden der Ökonomie. Sein Hauptwerk 'The Calculus of Consent' (1962, mit Gordon Tullock) wurde zum Klassiker der Demokratietheorie.

Politische Akteure sind genauso eigennützig wie Marktakteure, sie maximieren Wiederwahlchancen und Einfluss. Wer glaubt, Politiker seien selbstlose Wohltäter, versteht die realen Anreize nicht. Subventionen sind Tauschgeschäfte zwischen Politik und Lobbys.

Politics without romance."

Politik ohne Romantik."

, Titel seines Vortrags, 1979
Democracies do not automatically produce efficient outcomes, they produce outcomes that reflect the organized interests of the moment."

Demokratien produzieren nicht automatisch effiziente Ergebnisse, sie produzieren Ergebnisse, die die organisierten Interessen des Augenblicks widerspiegeln."

, Public Principles of Public Debt, 1958

Joseph E. Stiglitz

*1943 · USA

Wirtschaftsnobelpreis 2001, Ex-Chefökonom der Weltbank

Einer der prominentesten linksliberalen Ökonomen der Gegenwart, langjähriger Professor an der Columbia University. War Vorsitzender der Wirtschaftsberater unter Bill Clinton und Chefökonom der Weltbank. Seine Bücher "Die Schatten der Globalisierung" und "Der Preis der Ungleichheit" sind Standardwerke der Globalisierungs- und Ungleichheitskritik. Scharfer Kritiker von Agrar- und Fossil-Subventionen und von Corporate Welfare.

Subventionen, die an Großkonzerne, fossile Energieträger oder die Agrarindustrie der Industrieländer fließen, verschärfen die Ungleichheit und verzerren den internationalen Wettbewerb zulasten ärmerer Länder. Sie sind eine Umverteilung nach oben, und zwar sowohl innerhalb reicher Länder als auch zwischen Nord und Süd. Echte Umverteilung zugunsten der Schwachen sieht anders aus.

Agricultural subsidies in rich countries make it impossible for farmers in the developing world to compete, even in their own markets."

Agrarsubventionen in reichen Ländern machen es Bauern in Entwicklungsländern unmöglich, selbst auf ihren eigenen Märkten zu konkurrieren."

, Making Globalization Work, 2006
The fossil fuel industry is subsidized to the tune of hundreds of billions of dollars every year. This is not market economics, this is rent-seeking."

Die fossile Industrie erhält jedes Jahr Subventionen in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar. Das ist keine Marktwirtschaft, das ist Rent-Seeking."

, Rewriting the Rules of the European Economy, 2019
Much of the inequality we see today is the result of government policy, including subsidies that disproportionately benefit the wealthy and well-connected."

Viel von der heutigen Ungleichheit ist das Ergebnis von Regierungspolitik, einschließlich Subventionen, die überproportional den Wohlhabenden und gut Vernetzten zugutekommen."

, The Price of Inequality, 2012

Amartya Sen

*1933 · Indien / UK / USA

Wirtschaftsnobelpreis 1998

Indisch-britischer Ökonom und Philosoph, Professor in Harvard, Nobelpreis für seine Arbeiten zu Wohlfahrtsökonomie und Entwicklung. Er kommt aus einer zutiefst egalitären Tradition und hat die Messung von Armut und Ungleichheit maßgeblich geprägt. Seine Kritik richtet sich nicht gegen staatliche Sozialpolitik an sich, sondern gegen Subventionen, die am Ende bei denen landen, die sie nicht brauchen.

Der Test jeder Subvention muss sein, ob sie die tatsächlichen Verwirklichungschancen ("capabilities") der Bedürftigen erweitert. Sehr viele Subventionen in reichen Ländern bestehen diesen Test nicht. Sie werden als sozial deklariert, landen aber bei Gruppen, die politisch organisiert sind, nicht bei den Ärmsten. Gute Sozialpolitik misst Ergebnisse, nicht Absichten.

Public subsidies are often captured by those who are already privileged, while the truly poor remain unreached."

Staatliche Subventionen werden oft von denen vereinnahmt, die bereits privilegiert sind, während die wirklich Armen nicht erreicht werden."

, Development as Freedom, 1999
A policy must be judged by the capabilities it actually creates, not by the amount of money spent or the promises made."

Eine politische Maßnahme muss an den Verwirklichungschancen beurteilt werden, die sie tatsächlich schafft, nicht am ausgegebenen Geld oder an den Versprechen."

, The Idea of Justice, 2009

Dani Rodrik

*1957 · Türkei / USA

Harvard Kennedy School, Ford Foundation Professor

Harvard-Ökonom türkischer Herkunft, links der Mitte, einer der bekanntesten Globalisierungs- und Industriepolitik-Forscher. Seine Position ist differenziert: Er verteidigt gezielte Industriepolitik dort, wo Marktversagen nachweisbar ist, aber er ist ein scharfer Kritiker von Subventionen, die zu Rent-Seeking und Lobby-Abhängigkeit führen. Er besteht darauf, dass jede Subvention Ausstiegskriterien haben muss.

Industriepolitik kann sinnvoll sein, aber nur unter drei Bedingungen: klare Ziele, klare Messgrößen und klare Ausstiegskriterien. Ohne diese Disziplin degenerieren Subventionen zu Klientelpolitik, und die angestrebten Effekte verschwinden. Die Frage ist nicht "Subventionen ja oder nein", sondern "Wird hier diszipliniert oder wird verteilt".

Industrial policy must be embedded in institutions that can discipline it. Otherwise it becomes a giveaway to the politically connected."

Industriepolitik muss in Institutionen eingebettet sein, die sie disziplinieren können. Sonst wird sie zum Geschenk an die politisch gut Vernetzten."

, One Economics, Many Recipes, 2007
The question is not whether to intervene, but how to do so in a way that can be monitored, evaluated and terminated when it fails."

Die Frage ist nicht ob eingegriffen werden soll, sondern wie, so dass es überwacht, evaluiert und beendet werden kann, wenn es scheitert."

, Economics Rules, 2015

Diese zehn Ökonomen kommen aus sehr unterschiedlichen Traditionen, von den klassischen Liberalen über die Österreichische Schule, den deutschen Ordoliberalismus, die Chicago School, die Public-Choice- Theorie bis hin zur linksliberalen Entwicklungsökonomie und Klimapolitik. Sie widersprechen sich in vielen Details, und sie würden sich in fast jeder Wirtschaftsdebatte uneinig sein. Aber alle teilen eine Beobachtung: Wenn der Staat Geld an einzelne Empfänger verteilt, verfehlt er meist seine Ziele, und belohnt stattdessen die, die am besten organisiert sind.